„P“ oder „N“ oder die „225 Euro-Story“

Es hat sich schon allmählich angekündigt, die Automatik an meinem Jeep Grand Cherokee hat einen Macken. Bei 135.000 km! Einfach ignorieren, laaaangsam beschleunigen und abwarten? Walter meinte vor 14 Tagen am Stammtisch, dass es besser ist, schon mal Infos einzuholen, wer, wo, was kostet es…

Logischerweise war mein erster Schritt erst mal zum Jeep-Händler.

Dort sind der Chef und ein Meister dann zu einer etwa 10 Minuten-Probefahrt aufge-brochen. Danach hat der Meister mit dem Diagnosecomputer irgendwie „Das Getriebe auf 0 gestellt“, damit es sich neu auf die Gegebenheiten einstellen soll. Nach mehreren „Motor an, Motor aus“ war der Meister zufrieden und gab mir die Schlüssel mit den Worten „das war eine billige Reparatur“. Wenn es etwas gebracht hat, ist gut und ich kann noch lange unbeschwert weiterfahren, wenn nicht, wird wohl ein Austauschgetriebe fällig. Danke und Tschüss.

Ich steige ein, starte den Motor und lege der R-Gang ein um aus der Parklücke zu fahren.

Nix geht. Ich steige aus, geh zu dem Meister und sage ihm „Jetzt haben Sie dem Getriebe das Schalten beigebracht, jetzt muss ich es auch neu lernen, ich bekomme keinen Rückwärtsgang mehr rein“. Weitere Bemühungen, Computeranalysen, Probe-fahrten usw. brachten nichts mehr, es blieb dabei, wo der Rückwärtsgang war, brummt nur der Motor, wo Neutral war, drängt das Auto vorwärts, D und die beiden Gangstufen funktionierten noch. „Vielleicht wird es wieder, wenn der Motor kalt wird“ meinte der Meister und ich schob mit einem Auto, das noch kurz vorher „eigentlich funktionierte“,

gefrustet und narret von dannen. Natürlich blieb es bei dem Defekt auch am nächsten Tag, he ischt he. Also wer kann es richten und was kostet es?

Internetrecherche: Die mir von Walter schon empfohlene Werkstatt bei Raststatt, bot alles unter Vorbehalt für ca. 2.500 Euro an, eine zweite Firma hinter Frankfurt, Richtung Fulda, kam auf runde 2.000 Euro. Da ist halt auch 2 Tage: Fahrt und Eisenbahn und Wartezeit zu kalkulieren. Und wer weiß, ob ich es überhaupt bis da hin schaffe und was erwartet mich dort, umkehren wäre wohl auch nichts… Wie sieht es denn mit dem Chryslerhändler aus? Oh, oh, Austauschgetriebe 2.800 Euro, plus Einbau, plus Öle, plus diverser Leitungen und Kleinteile, die Chrysler vorschreibt, da kommen wir auf 3.700 bis 4.000 Euro. Boing. Andere Frage: „Was bekomme ich denn noch für das Auto wenn ich einen bestimmten PT-Cruiser kaufe, gebraucht, Anzahlung 5.000 Euro, Rest finanziert?“ Die Antwort hat mir den Rest gegeben: 2.000 Euro für den defekten Wagen, 3.000 Euro für den reparierten Wagen! Wieso? Weil so ein „Altfahrzeug“ ohnehin nur an Händler verscherbelt wird, die das Auto im Ausland richten und verkaufen. Bei Brunhold wird so ein Auto wegen der Garantiebestimmungen nicht mehr wiederverkauft.
     
Chrom und Flammen durchgestöbert, da gibt es doch diese Stuttgarter Firma für US-Getriebe-Reparaturen. Also Anzeige gefunden:

KFZ-Service-Center
Stuttgart-Vaihingen,
Schockenriedstraße 12,
gegenüber Regierungspräsidium.
Nach einem Anruf fuhr ich hin, Dorina im Vitara hinterher.

Ich habe einen Arbeitsvertrag für Ausbau, Einbau, Computer-Diagnose, Zerlegen und Reinigen und Zusammenbau und Öl, optional neuen Wandler unterschrieben! Runde 2.000 Euro ohne Teile! Gott steh mir bei!

Das war letzten Freitag, vor einer Woche, Dienstagabend kam ein Anruf „Getriebe ist ausgebaut und zerlegt, wollen Sie es anschauen? Mittwoch früh, wir sind ab 7 Uhr da“. Ich war es auch!

Der Chef führte mich an mehreren Hebebühnen und Werkstattnischen vorbei in einen separaten Raum, der zur Werkstatt hin mit einer Tür verschlossen war. Dort lag auf einer cleanen Nirosta-Werkbank mein Getriebe. Weitgehend zerlegt und zeigte, was so alles im Argen war. „Das Getriebe sieht aus wie nach 200.000 km“, meinte der Chef und zeigte mir Metallscheiben, die schwarz angelaufen und gegenseitig verklebt waren. Eindeutig ein Hitzeschaden. „Wie prüfen Sie denn die Ölmenge?“ Ich antworte: „Bei laufendem Motor, wie es sich gehört“. „Bei N oder P?“ Das war die entscheidende Frage, siehe Überschrift! Da liegt der Hund begraben, ich habe es immer bei P gecheckt, und das ist falsch! „Bei N sinkt der Ölstand, es fehlt ca. ein Liter!“ Speziell bei Chrysler ist das so! Immer mit zu wenig Öl gefahren! Aus Schaden wird man klug. Also weitersagen!!
Donnerstagvormittag kam dann ein Anruf, der Wandler ist O.K., dafür ist die Schaltbox defekt und das Kreuzgelenk an der vorderen Kardanwelle ist total hinüber, Die entsprechenden Mehrkosten hatte der Chef auch gleich parat. Nachmittags kam dann der 2. Anruf. Auto ist repariert, bitte abholen und 2.358 Euro mitbringen, in Bar, Karte geht nicht. Also diesmal mit Lisa im Golf nach Vaihingen. Der Chef erklärte mir detailliert alle Positionen auf der Rechnung und gab mir 225,89 Euro Rabatt, weil ich im ACC bin! Also, liebe ACCler, ich soll euch sagen, jeder bekommt diesen Rabatt! Und das ist der Grund, weshalb ich die ganze Geschichte aufgeschrieben habe. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Übrigens, ich hab 2.358,29 Euro für die Reparatur bezahlt, alles tut (fast) wie neu und nach 1.000 km soll ich noch einmal zu einem kostenlosen Getriebeservice vorbeikommen. (Das ist Bestandteil der Repa-ratur). Ausdrücklich sind auch die 12 Monate Garantie erwähnt.
     
Fazit: Ich glaube, man ist bei der Firma gut aufgehoben, der Preis ist fair, die Bedienung vorkommend und kompetent, und ob ich auch meine Hinterachse demnächst dort richten lassen werde, ist dann die nächste Geschichte wert.
Keep on cruising,
und, wie Fritz immer sagt,
schaut nach dem Öl, „Net blos saga, au doo“, und vor allem schaut auch „RICHTIG“.

Helmut

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